Drei TH treten viertweiteste BVB-Reise der Geschichte an

Bepackt mit dem Nötigsten sind drei Treue Hammer am Dienstag-Mittag nach Berlin gefahren. Der gute Preis hatte den Flughafen Schönefeld bestimmt. Es war draußen schon dunkel, als wir im Flughafen-Café mit etwa 25 Borussen auf das Boarding-Okay gewartet haben. Musikalisch hat uns eine Dame höheren Alters mit ihrem Weltempfänger und dem Klassiker „Private Dancer“ unterhalten.

Nach zweieinhalb Stunden Flug sind wir gerade so in Moskau gelandet. Der Kapitän konnte um 4.40 Uhr Ortszeit nur noch unorthodox landen: beim Aufsetzen riss er das Steuerrad abrupt nach rechts. Jetzt waren alle wach.

Die fünf Stunden gingen irgendwo zwischen Augen auf und Augen zu rum, dazu gab’s große Unterstützung von dem kostenlosen Wifi-Netz und mehreren Steckdosen. (keine Frauen)IMG_1868

09.40 Uhr: Souveräner Abflug nach Donezk.

09.35 Uhr: (Ortszeit): Nebel-Landung in Donezk

Am Ausgang quatschten uns Taxifahrer an. Sie wollten 20 Euro (!) für die 13 km zur Unterkunft haben. Das Wort „Hostel“ verwenden wir bewusst nicht. Dazu später mehr.

Wir haben uns schließlich in einen Bus gesetzt und 1,5 Hrvna/Person bezahlt, umgerechnet 15 Cent!

Ausgestiegen sind wir in der Innenstadt. Ein Blick ins alte Olympiastadion, ein Foto mit der Sergej-Bubka-Statue und ein 4km-Fußmarsch bis in die Sihova-Street 2b.

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Unsere Unterkunft bestand aus Hochbett und zwei Einzelbetten, dazu einer eingebauten Dusche und einem 10-Zoll-Tv (Röhre) mit drei ukrainischen Sendern. Das Zimmer war Teil eines Containerdorfes. Vielleicht waren hier die Erwartungen für acht Euro pro Nacht und Person doch etwas zu hoch. Es dauerte ca. fünf Minuten, bis unser Container in absoluter Dunkelheit lag und Donezk - BVB3auch der Röhrenfernseher keinen Ton mehr von sich gab – Stromausfall.

Nachdem wir uns mit der Unterbringung abgefunden hatten, an Schlaf war nicht mehr zu denken, ging es dann per Bus zurück in die Stadt. Dort wurden in einem sehr zentralen Restaurant Durst und Hunger gestillt und etwas Sightseeing getätigt. Wobei an dieser Stelle gesagt sei, dass es auch nicht wirklich viel Spannendes zu betrachten gab. Die Lenin-Figur und das Mannschaftshotel Donbass Palace waren die interessantesten Orte. Preislich ist die Ukraine schwer in Ordnung: für acht Chicken-Wings mit Chili-Sauce als Vorspeise, ein Stück Schweinefleisch mit Pommes, einer Schale mit sechs Stück Schwarz- und Weißbrot sowie einem Wodka und einer 0,5-Cola musste Matze gerade mal zwölf Euro hinlegen.

Gut gestärkt sind wir zum Bar „Liverpool“ gegangen, DEM Treffpunkt der BVB-Fans vor dem Spiel. Ein bisschen „Hallo“ und „Was habt ihr schon gesehen?“ sind wir weitergegangen. Die Bar war gnadenlos schwarz-gelb überfüllt.

Nach Zwischenstopp am Kiosk (0,5l Bier in Flasche = 65 Cent) peilten wir das Hotel Shaktar Plaza gegenüber der Donbass-Arena an. Ein Mehr-Sterne-Tempel für die Medienleute des Spiels. Unsere Container-Unterkunft haben wir auch wiederentdeckt: auf der Baustelle neben dem Plaza. An der Bar saßen wir mit den Werlern zusammen, um die Zeit bis 20.15 Uhr zu überbrücken. Das Stadion machte erst neunzig Minuten vor Anpfiff auf. Selbst sky-Kommentator Wolff Fuß schlürfte an der Theke noch eins.

Zum Spiel selbst gibt es wohl nicht mehr viel zu sagen. Die Einlasskontrollen waren überraschend intensiv. Sage und schreibe dreimal wurden wir inspiziert bevor wir den Block erreichten.

Die Stimmung im Stadion war berauschend. Alle ukrainischen Anhänger waren jederzeit zum Support bereit und haben dieses auch entsprechend gezeigt und alle hören lassen.

Donezk - BVB6Das Stadion: ein Neues, ein Mix aus Amsterdam und München. Kein Wunder: der Architekt von München war auch hier in der Ostukraine am Werk.

Die Kulisse war ein Beispiel dafür, zu was derartige Arenen in der Lage sind, wenn die entsprechenden Fans für Stimmung sorgen.

Die installierten Heizstrahler brachten allerdings nicht die erhoffte Wärme; es war verdammt kalt!

Nach Spielende und üblicher Blocksperre galt es einen genialen Plan in die Tat umzusetzen. Ziel war mal wieder das Mannschaftshotel. Dort wollten wir uns ein wenig aufwärmen und dann per Taxi zurück zum Container fahren. Doch leichter gesagt als getan. Die örtliche Polizei bzw. das ukrainische Militär hatte etwas dagegen uns aus dem Gästebereich zu lassen. Aber dank perfekter Überredungskünste mit Händen und Füßen gelang es uns schließlich zwischen den Bauzäunen zurück zum Hotel zu kommen – begleitet von zwei Polizisten. Die klassische Polizei-Eskorte per pedes.

Der Rest des Plans ging auf. Schnell hatten wir ein Taxi bekommen, um für schlappe drei Euro zurück in die Hütte zu kommen.

Die Nacht lässt sich dann relativ schnell zusammenfassen: kurz, aber okay.

Das Taxi war es dann auch, was uns am Abreisetag zu schaffen gemacht hat. Mit einem der hochmodernen Linienbusse ging es Richtung Zentrum, wo wir uns mit einem Snack als Frühstückersatz eindeckten. Ein Baguette-, ein Mohnbrötchen und zwei Scheiben Wurst aus der Metzgerei machten Matze glücklich – für 23 Cent.
Aber dann! Optisch fuhren ständig Taxen an uns vorbei, aber Wehe man braucht mal eins, wenn man es mal eilig hat.

Irgendwann hatten wir aber auch dort Erfolg und ein junger Hobbyrennfahrer erbarmte sich unser und raste mit uns, unter lautstarken ukrainischen Hits und mit zwei Handys in der Hand, Richtung Airport. Das wir auch diese Fahrt überlebten: Reine Glückssache! Der Preis allerdings Taxi-Uhr-Sache: 4,80 Euro für 13 Kilometer.

Mit diesem Erlebnis endete unser Aufenthalt in der 1,1-Millionen-Stadt und es ging mit der russischen Airline Aeroflot über Moskau zurück nach Berlin und von dort per PKW wieder nach Hamm.

Abschließend waren wir uns alle einig: Schön die Stadt und das Stadion mal gesehen zu haben, muss man aber so schnell nicht wieder hin. Obwohl? Für die Preise…

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